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· von Nedjat Nuhi

KI-native Talente: So rekrutieren Schweizer KMU im neuen Markt

Kurz beantwortet

Eine Analyse des Thinktanks einstAIn zeigt, dass künstliche Intelligenz bei 28 Prozent der untersuchten Schweizer Stellenprofile die Arbeit stark verändert, vor allem in Büro und Verwaltung. Schweizer KMU rekrutieren im neuen Markt erfolgreich, indem sie gezielt nach KI-nativen Anwendern statt nach teuren Entwicklern suchen. Weil klassische Bewerbungsunterlagen durch den Einsatz von Generativer KI an Aussagekraft verlieren, gewinnen praktische Arbeitsproben und kritisches Denken im Auswahlprozess an Bedeutung.

Der Schweizer Arbeitsmarkt im Wandel

Künstliche Intelligenz verändert die Schweizer Wirtschaft und prägt die Anforderungen bei der Personalsuche. Eine Analyse des Thinktanks einstAIn, getragen von Angestellte Schweiz und Kuble, hat 86 Berufe untersucht. Bei 28 Prozent der geprüften Stellenprofile verändert künstliche Intelligenz die Arbeit und die typischen Aufgaben stark. Betroffen sind über 850'000 Stellen mit einer Lohnsumme von mehr als 80 Milliarden Franken, und zwar vor allem in Büro und Verwaltung, nicht in der Werkhalle. Schweizer KMU stehen damit vor der Aufgabe, die veränderten Qualifikationen im Rekrutierungsprozess richtig zu bewerten und die passenden Talente zu finden.

Steigender Bedarf an KI-Kompetenzen

Die Nachfrage nach technologischem Know-how wächst kontinuierlich. Das PwC Schweiz 2026 AI Jobs Barometer belegt, dass die Zahl der Stellenausschreibungen mit direktem KI-Bezug im Jahr 2025 um rund 9000 Inserate auf einen neuen Höchststand gestiegen ist. Zwar machen diese Ausschreibungen mit 1,8 Prozent weiterhin einen kleinen Teil des gesamten Stellenmarktes aus, doch die Dynamik erfasst fast alle Wirtschaftsbereiche. Der Bedarf an Fachkräften, die KI-Systeme im Berufsalltag anwenden können, wächst dabei deutlich schneller als die Nachfrage nach reinen Technologieentwicklern.

Dieser Trend spiegelt sich auch in der Bereitschaft der Arbeitgeber wider, höhere Gehälter zu zahlen. Eine im August 2026 veröffentlichte Umfrage des Personaldienstleisters Manpower zeigt, dass 56 Prozent der befragten Schweizer Arbeitgeber bereit sind, für nachgewiesene KI-Fähigkeiten einen Lohnaufschlag zu bezahlen. Bei Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden liegt dieser Anteil sogar bei 66 Prozent. Für KMU bedeutet dies, dass der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte intensiver wird.

Die Rekrutierungshürden für KMU

Die Personalsuche im veränderten Marktumfeld stellt viele Betriebe vor praktische Probleme. Gemäss dem jobs.ch KI Report 2026 haben 34 Prozent der Schweizer Unternehmen Mühe, passende KI-Talente zu rekrutieren. Gleichzeitig fühlt sich gemäss derselben Untersuchung nur ein Drittel der Schweizer Arbeitnehmenden im Umgang mit künstlicher Intelligenz gut aufgestellt. Es besteht somit eine deutliche Lücke zwischen den Erwartungen der Wirtschaft und den tatsächlichen Fähigkeiten der Bewerbenden.

Dazu kommt eine veränderte Ausgangslage bei den Bewerbungsunterlagen selbst. Die Studie KI in Jobsuche und Recruiting der Arbeitsmarktbeobachtung AMOSA zeigt, dass rund zwei Drittel der Stellensuchenden im Jahr 2026 künstliche Intelligenz für ihre Jobsuche nutzen. Bewerbende setzen die Technologie ein, um Anschreiben und Lebensläufe zu optimieren. Weil sich schriftliche Bewerbungen dadurch stark angleichen, verlieren klassische Motivationsschreiben für Arbeitgeber an Aussagekraft.

Fokus auf praktische Kompetenzen und Soft Skills

Unternehmen müssen ihre Auswahlkriterien anpassen, um im neuen Umfeld erfolgreich zu sein. Adrian Jones von PwC Schweiz weist darauf hin, dass künstliche Intelligenz zunehmend Routineaufgaben übernimmt, die früher dem Einstieg und dem Lernen dienten. Deshalb werden Urteilsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Führungskompetenz bereits in einer frühen Karrierephase wichtig.

Neben technologischem Grundwissen gewinnen menschliche Fähigkeiten an Bedeutung. Die Ergebnisse von Manpower zeigen, dass kritisches Denken und Problemlösungskompetenz von Schweizer Arbeitgebern besonders hoch bewertet werden. Der Microsoft Work Trend Index 2026 stützt diese Sichtweise. Demnach betrachten 84 Prozent der Schweizer KI-Nutzer die Ergebnisse von Software als Ausgangspunkt und nicht als fertige Antwort. Die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu prüfen und qualitativ zu bewerten, wird damit zu einer Kernkompetenz für Mitarbeitende in allen Funktionen.

Für KMU verschiebt sich die Suche somit weg von reinen Programmierkenntnissen hin zu Anwendern, die generative Systeme sinnvoll in ihre tägliche Arbeit integrieren können. Im Finanz- und Versicherungswesen beispielsweise betreffen laut PwC über 95 Prozent der KI-bezogenen Stellenausschreibungen reine Anwenderprofile.

Wege zur erfolgreichen Rekrutierung im KMU

Um im Wettbewerb um KI-native Talente zu bestehen, müssen KMU ihre Rekrutierungsprozesse umgestalten. Da klassische Bewerbungsunterlagen durch KI-Unterstützung an Aussagekraft verlieren, sollten Betriebe vermehrt auf praktische Leistungsnachweise setzen. Das Durchführen von kurzen, fachspezifischen Arbeitsproben direkt im Bewerbungsverfahren hilft, die tatsächliche Problemlösungskompetenz der Bewerbenden zu prüfen. Dabei lässt sich beobachten, wie Kandidaten technologische Hilfsmittel einsetzen und wie sie die erzeugten Resultate bewerten.

Zusätzlich sollten KMU die Ausbildung und Weiterbildung der eigenen Belegschaft priorisieren. Da der externe Arbeitsmarkt stark umkämpft ist und viele Fachkräfte noch keine fundierten Kenntnisse besitzen, bietet die interne Qualifizierung eine verlässliche Alternative. Durch strukturierte Schulungsprogramme und den gezielten Aufbau von Anwenderkompetenzen im eigenen Betrieb lässt sich das vorhandene Potenzial ausschöpfen.

Die Einführung klarer Leitlinien und einer strukturierten Strategie für den Einsatz von Werkzeugen im Unternehmen erleichtert zudem die Gewinnung neuer Mitarbeitenden. Fachkräfte suchen gezielt nach Arbeitgebern, die moderne Werkzeuge bereitstellen und ein produktives Arbeitsumfeld bieten. Laut dem Microsoft Work Trend Index 2026 gibt jedoch nur ein Viertel der Schweizer KI-Nutzer an, dass die eigene Unternehmensleitung eine klare Strategie verfolgt. Hier können KMU durch Transparenz und eine gezielte Positionierung einen Vorteil im Bewerbungsmarkt erzielen.

dialogis.ai unterstützt Schweizer KMU bei der Bewertung der technologischen Reife des eigenen Betriebs. Mit dem KI-Ready-Check lässt sich systematisch analysieren, wo im Unternehmen Potenzial für den Einsatz moderner Werkzeuge vorhanden ist und welche Kompetenzen bei den Mitarbeitenden aufgebaut werden müssen.

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